
36% mehr Arbeitgeber, die ihre Fürsorgepflicht verletzen. Und das ist erst der Anfang. 😳
AXA-ARAG hat die Zahlen für 2025 veröffentlicht. Und sie sind ernüchternd.
+36% bei Verletzungen der Fürsorgepflicht – mangelnder Schutz vor Mobbing eingeschlossen.
+26% bei Kündigungsstreitigkeiten.
+14% bei Problemen rund ums Arbeitszeugnis.
Der Schweizerische Arbeitgeberverband sagt: Das seien nur gemeldete Fälle, keine Verurteilungen. Klar. Aber selbst wenn das stimmt – warum melden immer mehr Menschen überhaupt?
Weil irgendetwas im System gerade nicht stimmt.
Der Gewerkschaftsbund bestätigt: Der Trend läuft seit drei bis vier Jahren. Und einen Treiber nennen sie explizit: Homeoffice.
Weniger persönliche Begegnungen. Weniger Bereitschaft, Lösungen zu finden. Mehr Stress. Mehr Druck. Mehr Konflikte, die eskalieren statt gelöst zu werden.
Zudem berichten Rechtsdienste von einer sinkenden Bereitschaft, überhaupt noch nach Lösungen zu suchen.
Beide Seiten haben einen Punkt. Aber genau diese Uneinigkeit ist selbst schon aufschlussreich: Solange man auf gerichtliche Verurteilungen wartet, um von «echten» Konflikten zu sprechen, wartet man auf eine Zahl, die immer Jahre hinterherhinkt. Das gemeldete Konfliktvolumen ist näher an der Realität im Betrieb als jedes Urteil. 💡
Was zusätzlich mit hineinspielt
Homeoffice ist nicht der einzige Faktor. Drei Entwicklungen verstärken sich gerade gegenseitig:
Erstens: Der subjektive Leistungsdruck steigt, auch wenn die reine Arbeitslast vielerorts stabil bleibt. Als Stressfaktor Nummer eins gilt dabei nicht (nur) die Erwartung von aussen, sondern der hohe Anspruch an sich selbst.
Zweitens: Gerade in der Schweiz gibt es eine ausgeprägte Kultur des freundlichen Vermeidens. Meinungsverschiedenheiten werden selten offen ausgetragen – besonders wenn mehrere Personen im Raum sind. Das Problem dabei: Konflikte beginnen meist als Missverständnis. Wird das nicht angesprochen, entwickelt sich daraus oft eine Dynamik, die sich verselbstständigt.
Drittens: Psychische Belastung und Unsicherheit nehmen allgemein zu – beruflich wie gesellschaftlich. Das macht Druck auf Menschen, die ohnehin schon wenig Puffer haben. Und wer selbst unter Druck steht, hat weniger Kapazität, einen Konflikt ruhig anzusprechen, statt ihn zu vermeiden oder eskalieren zu lassen.
Die Kombination ist der eigentliche Befund
Weniger persönlicher Kontakt, steigender innerer Druck, eine Kultur, die das offene Ansprechen erschwert, und Menschen, die ohnehin schon am Limit sind – das ist ein Nährboden, auf dem aus kleinen Reibungen grössere Konflikte werden, bevor überhaupt jemand hinschaut.
Nicht die Zahl der Konflikte ist also das eigentliche Problem. Es ist die sinkende Fähigkeit und Bereitschaft, sie frühzeitig zu klären.
Führung ist kein Verwaltungsakt. Sie ist Beziehungsarbeit. Und die lässt sich nicht vollständig digitalisieren. ➡️
Woran erkennst du, dass ein Konflikt kippt?
🔸 Der Ton wird kürzer, formeller – man schreibt statt zu reden
🔸 Jemand zieht sich aus Meetings oder Gesprächen zurück
🔸 Sarkasmus oder Anspielungen ersetzen offene Aussagen
🔸 Es bilden sich Lager – «die» und «wir»
🔸 Kleine Dinge lösen unverhältnismässig starke Reaktionen aus
🔸 Themen werden plötzlich nicht mehr direkt, sondern über Dritte besprochen
Keines dieser Signale ist für sich ein Drama. Aber zusammen sind sie ein Muster – und Muster verschwinden nicht von allein.
Was tun, wenn du das erkennst?
✅ Ansprechen, bevor es «offiziell» wird – ein kurzes Vier-Augen-Gespräch wirkt oft mehr als jede Teamsitzung
✅ Beobachtung schildern, nicht bewerten – «Mir ist aufgefallen, dass…» statt «Du machst immer…»
✅ Fragen statt Feststellen – was steckt wirklich dahinter, nicht nur das, was sichtbar ist
✅ Zeitnah bleiben – je länger ein Konflikt unausgesprochen bleibt, desto mehr wird er zur Geschichte, nicht mehr zur Sache
✅ Als Führungskraft: nicht schlichten wollen, sondern Raum schaffen, in dem geklärt werden kann
Wer den Konflikt nicht führt, wird vom Konflikt geführt.
Ich erlebe das in meiner Arbeit mit Führungskräften immer wieder: Nicht die grossen Konflikte sind das Problem. Es sind die kleinen Momente, die ignoriert wurden. Die Gespräche, die nie stattgefunden haben.
Wie erlebst du das in deinem Umfeld – wird Konflikt bei euch früh angesprochen oder erst, wenn es zu spät ist? 👇
Teile gern deine Wahrnehmung.
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