Beate Heuermann

Der Moment, in dem die Welt zum Stillstand kam

Frau sitzt am Fenster und schaut mit verlorenem Blick über den See

Wachruf zur Lebensfreude: Warum „Funktionieren“ noch lange kein „Leben“ ist

Es war ein stiller Moment in meiner Wohnung mit Blick über den Zürichsee. Ein Ort, der eigentlich Weite und Freiheit atmet. Ich sass in meinem Sessel am Fenster, doch ich sah weder das Glitzern des Wassers noch die Erhabenheit der Berge. Mein Blick blieb an einem Baumstamm hängen. Ich sah nicht die Krone, nicht das Spiel der Blätter im Wind – ich sah nur das stumpfe, graue Holz.

In diesem Augenblick erschrak ich vor mir selbst. Es war, als würde ich aus meinem eigenen Körper aussteigen und mich von der Seite betrachten: eine Frau, die seit 20 Jahren in der Schweiz kämpfte, drei zermürbende Gerichtsprozesse mit ihrem Ex-Mann hinter sich hatte und als Alleinerziehende den täglichen Spagat zwischen Geldverdienen und Liebe zu ihren Kindern meisterte.

Ich war eine Kriegerin geworden. Ich funktionierte, ich erledigte, ich hielt durch. In einem Land, in dem das Leben teuer ist und ohne die stützende Hand einer eigenen Familie in der Nähe, war das Überleben zu meiner einzigen Identität geworden.

Doch während ich starr auf diesen Baumstamm blickte, traf mich die Erkenntnis wie ein Blitz: Ich hielt den Alltag zusammen – aber mein inneres Feuer war erloschen. Ich funktionierte. Aber lebte ich noch?

Vielleicht kennst du diesen Zustand. Diesen Hamsterrad-Modus, in dem man nur noch die nächste Aufgabe sieht, während die eigene Lebendigkeit leise im Hintergrund verblasst.

Das Leuchten hinter dem Lächeln

Veränderung beginnt selten mit einer grossen Strategie. Sie beginnt oft mit einer Sehnsucht, die so deutlich wird, dass wir sie nicht länger ignorieren können.

Wenige Tage nach diesem Erlebnis am Fenster besuchte ich einen Workshop. Wir arbeiteten mit Bildern, und eines zog mich mit einer fast magnetischen Kraft an.

Es zeigte zwei Frauen auf einer Vespa. Sie verkörperten für mich pure Lebensfreude: die Beine hochgeworfen, ein Lachen, das über das ganze Gesicht hinausstrahlte, eine ungefilterte Präsenz. In diesem Moment spürte ich etwas in meiner Brust, das ich kaum in Worte fassen konnte. Ich wollte das auch. Ich wollte dieses Leuchten zurück, das ich irgendwo zwischen Aktenordnern, Verantwortung und Alltagspflichten verloren hatte.

Diese beiden Frauen auf dem Bild, sie lebten. Sie strahlten eine Lebendigkeit aus, die ich seit Jahren nicht mehr in mir gespürt hatte. Das war mein Wendepunkt.

Dieses Bild wurde zu meinem inneren Anker. Es war nicht einfach ein Foto. Es war eine Erinnerung daran, dass die Flamme in mir noch da war – auch wenn ich sie lange nicht mehr gespürt hatte.

zwei Frauen auf einer Vespa voller Lebensfreude
Lebensfreude pura vida

Weg-von oder Hin-zu? Warum wir oft feststecken

Warum fällt es uns so schwer, diesen Zustand des blossen Funktionierens zu verlassen?

Ich nutze dafür gerne das Bild eines Parkplatzes – deiner Komfortzone. Viele Menschen verlassen diesen inneren Parkplatz erst, wenn der Schmerz gross genug wird. Dabei gibt es zwei sehr unterschiedliche Beweggründe:

Die Weg-von-Motivation:

Du gehst los, weil der Schmerz auf deinem jetzigen Platz unerträglich geworden ist. Du willst raus aus Stress, Enge, Leere oder Überforderung. Doch oft fehlt die innere Richtung. Und so passiert es leicht, dass man zwar wegkommt – aber am Ende nur an einem anderen Ort landet, der sich ähnlich leer anfühlt.

Die Hin-zu-Motivation:

Hier entsteht Bewegung aus einem anderen Impuls. Nicht aus Flucht, sondern aus Sehnsucht. Nicht nur weg von etwas, sondern hin zu einem Leben, das sich wieder nach dir anfühlt.

Nachhaltige Veränderung entsteht meist dann, wenn nicht nur der Schmerz gross genug ist, sondern auch das innere Bild dessen, wonach wir uns wirklich sehnen.

Wenn die Maske zerbricht

Dieser Funktionsmodus ist oft wie eine Maske, die wir so lange tragen, bis wir selbst glauben, sie sei unser Gesicht.

In meinem Buch „Zurück zu dir – Wenn das Leben nach mehr ruft“ verdichtet sich diese innere Leere auch in Figuren wie Lissy und Thomas. Sie stehen stellvertretend für viele Menschen, die nach aussen hin alles richtig machen – und innerlich doch längst spüren, dass etwas Wesentliches fehlt.

Lissy ist 42, alleinerziehend, erschöpft von Verantwortung, Fürsorge und dem ständigen Kreisen um andere. Abends sitzt sie auf dem Sofa und fragt sich leise: War das wirklich schon alles?

Thomas ist erfolgreich, leistungsstark, angesehen. Er begleitet Transformation in Unternehmen, während sein eigenes Leben auf Autopilot läuft. Nachts liegt er wach und fragt sich, wer er eigentlich ist, wenn er einmal nicht funktioniert.

Vielleicht sind es genau diese stillen Fragen, die wir am längsten verdrängen.

Und manchmal sind es unsere Kinder, die uns den klarsten Spiegel vorhalten. Sie spüren die Wahrheit hinter der Fassade. Ich werde nie vergessen, wie meine eigenen Kinder eines Tages diese Maske durchbrochen haben:

„Warum tust du eigentlich immer so, als wäre alles super? Ich sehe doch, dass du nicht glücklich bist.“

Buch: Zurück zu dir - wenn das Leben nach mehr ruft
Zurück zu dir – Wenn das Leben nach mehr ruft

Der Mut zum ersten ehrlichen Schritt

Der Wendepunkt ist oft kein lauter Knall. Kein Drama. Kein spektakulärer Zusammenbruch. Manchmal ist er einfach ein leises, klares Ja zu einem Leben, das nach mehr ruft.

Für viele beginnt dieser Moment mit radikaler Ehrlichkeit. Mit dem Eingeständnis: So wie es ist, möchte ich nicht weitermachen.

Der Ruf zeigt sich oft in einer ganz eigenen Qualität:

  • als innere Klarheit, die plötzlich da ist
  • als stilles Wissen, das keine grossen Erklärungen mehr braucht
  • als Bereitschaft, sich die eigene Leere einzugestehen
  • als vorsichtige, aber echte Öffnung für Veränderung

Veränderung beginnt nicht immer dort, wo wir stark sind. Manchmal beginnt sie genau dort, wo wir aufhören, uns etwas vorzumachen.

Wenn das Leben dich prüft

Innere Rückverbindung zeigt sich nicht nur in stillen Momenten, sondern auch darin, wie wir äusseren Krisen begegnen.

Bei mir war es unter anderem die plötzliche Sperrung meines Amazon-Kontos. Von heute auf morgen waren Rezensionen verschwunden, Tantiemen blockiert und der direkte Zugang zu meinen Leserinnen und Lesern erschwert.

Früher hätte mich so etwas vielleicht aus der Bahn geworfen. Doch etwas in mir war klarer geworden. Ich wusste inzwischen tiefer, wofür ich gehe. Also suchte ich neue Wege und veröffentlichte über Books on Demand weiter.

Genau das meine ich mit innerer Resilienz: Wenn du wieder stärker mit dir verbunden bist, werden Hindernisse nicht automatisch kleiner – aber sie bestimmen nicht mehr, ob du weitergehst. Hindernisse werden zu Umleitungen, aber nicht zu Endstationen.

Zurück zu deinem eigenen Pura Vida

Heute spüre ich wieder mehr von der Lebensfreude, die mich damals in diesem Bild der Vespa-Frauen so berührt hat. Ich lerne Spanisch. Ich blättere in Costa-Rica-Reiseführern. Nicht, weil ich muss, sondern weil der Traum vom Pura Vida für mich zu einem inneren Kompass geworden ist.

Dein persönliches Pura Vida mag ganz anders aussehen als meines. Vielleicht hat es nichts mit Reisen zu tun. Vielleicht ist es ein Gefühl von Ruhe. Von Echtheit. Von Sinn. Von Lebendigkeit. Von dir selbst.

Doch der Weg dorthin ist ähnlich: weg vom blossen Funktionieren – hin zu einem Leben, das wieder mit deinem Wesen verbunden ist.

Es ist Zeit, nicht nur zu existieren.
Es ist Zeit, wieder zu leben.

Wenn du tiefer gehen möchtest

Wenn dich dieser Text berührt hat, dann ist das vielleicht kein Zufall. Vielleicht ist er genau die Erinnerung, die du gerade gebraucht hast.

Mein Buch „Zurück zu dir – Wenn das Leben nach mehr ruft“ lädt dich ein, deiner eigenen inneren Stimme wieder näherzukommen und den Weg zurück in deine Lebendigkeit zu finden.

In meinem Begegnungsraum „Zurück zu dir entsteht eine Community für Menschen, die sich nicht länger nur im Funktionieren verlieren wollen, sondern sich selbst wieder spüren möchten – mit Tiefe, ehrlichen Impulsen und neuen Perspektiven.

Vielleicht beginnt dein Weg zurück zu dir genau hier.

Zurück zu dir. Vorwärts in die Zukunft.

In liebevoller Umarmung

Beate

🌿 ZURÜCK ZU DIR – Raum für dich
Ein kostenfreier Begegnungsraum zum Innehalten, Wahrnehmen und ehrlich Werden.
Für Menschen, die funktionieren – und spüren, dass es so nicht weitergeht.

Hier findest du den Raum

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Impulstalk4leadership

💬 Schreib mir gerne: office@blickwandel.com Ich lese jede Nachricht persönlich.


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